Schriftgröße

Kalender
August 2014
Mo Di Mi Do Fr Sa So
  1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30 31  
Suchen
Hauptmenü
Optionen
Informationen


Willkommen > Geschichte > Machtübernahme 1933

Machtübernahme 1933

Hans Demeter, ehemaliger Vorsitzender der Münchner SPD im Interview mit Klaus Mai 1982 über die Situation in der SPD in München 1933:

"Oskar Maria Graf hat für uns Flugblätter entworfen!"

Muenchner-Post-Verbot-1933
"1931 bin ich nach Ramersdorf gezogen. Ich habe in der gleichen Straße gewohnt wie der Anton Aschauer. Ich gehörte zur Sektion Ramersdorf. Als dann 1933 kam, da ist das alles Zusammengebrochen, aber die Verbindung zwischen Aschauer und mir - wir haben uns ja gekannt aus Haidhausen, er war dort im sogenannten Klostergarten und hat dort seiner Schwiegermutter das Wirtshaus geführt und uns dort auch getroffen. Er hat mich dann angesprochen und hat gesagt, daß ich ja in einer selbständigen hohen Funktion sei, und etwas für ihn tun könne, Er hat mir dann erzählt, daß der Oskar Graf, ein Schriftsteller, für uns Flugblätter anfertigen würde und die Texte dazu müßte man auf eine Matritze schreiben und abziehen. Das war 1933 im Herbst."

"Von der Parteispitze kamen nur Parolen!"

"Die Partei war auf die gesamte Auseinandersetzung mit den Nazis - wie sie dann gekommen ist - überhaupt nicht vorbereitet. Wir als Junge glaubten damals, die Nazis sollen nur kommen, wir zeigen es ihnen schon. Wir hatten ja den Reichsbanner und wir wären mit der SA und den Nazis leicht fertig geworden. Wir waren in München eine Macht.

Wir wären auch zu einer bewaffneten Auseinandersetzung bereit gewesen.

Das Reichsbanner war ja eine halbmilitärische Organisation. Als dann die Ereignisse im Januar 1933 kamen, da haben wir uns gefragt, wie das denn weitergehen soll, wir waren mehr oder weniger Kopflos. Von der Parteispitze kamen nur Parolen.

Ich hab neulich mein Reichsbannerbuch angesehen da ist ja noch bis zum März 1933 kassiert worden. Und da haben wir halt abgewartet, was jetzt kommen würde. Hitler war parlamentarisch gewählt und es sollte eine Regierung gebildet werden und wir hatten die Vorstellung, daß jetzt die parlamentarischen Debatten kommen würden. Für uns war nicht erkennbar, daß es später zu einer sogenannten Machtübernahme kommen wird. Auch die führenden Genossen waren dieser Meinung. Man sagte ganz allgemein, daß man in einem halben Jahr schon sehen wird, wie die Wirklichkeit ausschaut. Der Hitler dachten wir, wäre dann wieder weg. Wir haben die Lage völlig falsch eingeschätzt, Was sollten wir also tun. Wir hatten keine Übersicht gehabt. Als dann aber die ersten Gesetze kamen und hieraus gab’s dann Folgerungen, d. h. also Verbot der Partei und die Gleichschaltung der Gewerkschaften am 1. Mai, da haben wir dann schon gesehen, wohin der Hase läuft. Viele sagten, nun ist es aus. Und dann war da ein Vacuum. Da hat man sich dann eben getroffen, mit dem einen oder anderen. Da haben wir dann stundenlang geredet, was wir wohl machen sollen."

"Man hat ja kurz nach der Machtübernahme so manchen Kameraden vom Reichsbanner bei der S.A. plötzlich gesehen, selbst die von denen man geglaubt hat, daß es gute Genossen sind."

"Zunächst haben wir gar nichts getan sondern nur abgewartet. Das letzte was man noch gehört hat, das war ja diese große Debatte, die ja dann auch noch in der Presse kam, der einzelnen Parteien die mehr oder weniger offen oder verklausuliert die Mitarbeit mit den Nationalsozialisten verkündeten, wogegen die SPD gegen das Ermächtigungsgesetz gestimmt hat. Das war die letzte Chance des Parlamentarismus. Zunächst haben wir uns dann einzeln getroffen dann gab es aber auch schon Gruppen. Und da kam dann der Aschauer zu mir und hat gesagt, du könntest die Matritzen schreiben für unsere Flugblätter. Das hätte mich den Kopf kosten können. Nachts sind wir dann in einen Betrieb am Gebsattelberg gegangen, dort wo heute der Staiger Baumarkt ist. Ich bin Nachts dort immer hingegangen und habe die Matritzen geschrieben und habe die anschließend abgezogen mit einer Handmaschine. Und das hab ich dann brav abgeliefert. Ich habe das dann einigemale gemacht. Und es hat dann nicht lange gedauert - die Spitzel waren ja überall drin, auch in der SPD - bis die ganze Sache aufgeflogen ist. Man hat ja kurz nach der Machtübernahme so manchen Kameraden vom Reichsbanner bei der S.A. plötzlich gesehen, selbst die von denen man geglaubt hat, daß es gute Genossen sind. Es war ja aussichtslos gewesen in der Anfangszeit gegen Hitler etwas zu machen, die Begeisterung war enorm groß."

Weihnachtsfeier-Dott-1963

Hans Demeter (l.) 1961 mit Karl Fiss und dem Bundestagsabgeordneten Franz Marx beim „Dott“ in der Gravelottestraße zur Weihnachtsfeier.

Alle Rechte Vorbehalten. © by Klaus Mai, München 2008

Mitglieder
Benutzername
Passwort vergessen
Passwort
Benutzer erinnern